Startup Scaling
/
7
Min. Lesedauer

Venture Clienting: Warum der erste Kunde wertvoller ist als der nächste Investor

Umsatz schlägt Kapital: Erfahre, wie Venture Clienting funktioniert, wie Du PoC-Hürden meisterst und Corporate-Kunden gewinnst. Ein Guide für B2B-Startups.

Jetzt kontaktieren!
Venture Clienting: Warum der erste Kunde wertvoller ist als der nächste Investor

Das Wichtigste in Kürze

  • Definition: Venture Clienting bedeutet, dass Unternehmen Startups als Lieferanten und Partner nutzen, um konkrete Probleme zu lösen, statt primär Anteile zu kaufen.
  • Fokus: Das Ziel ist Umsatz, Marktreferenz und Produktivsetzung (Roll-out), nicht nur ein theoretischer Test.
  • Vorteil für Startups: Du behältst Deine Anteile (Equity), gewinnst aber wertvolle Enterprise-Referenzen und Cashflow.
  • Prozess: Professionelle Hubs wie Wayra nutzen Fast-Track-Verfahren, um die gefürchteten langen Einkaufszyklen (Procurement) von Konzernen zu umgehen.
  • Erfolgsquote: Bei etablierten Programmen werden bis zu 50 % der Pilotprojekte (PoCs) in langfristige Kundenbeziehungen umgewandelt.

Investorenkapital ist der Treibstoff für viele Startups, doch der wahre Motor eines jeden Unternehmens ist der Umsatz. In der aktuellen Marktphase verschiebt sich der Fokus massiv: Weg vom reinen Wachstum durch Fundraising, hin zu resilienten Geschäftsmodellen, die durch echte Kunden validiert sind. Genau hier setzt Venture Clienting an. Es ist mehr als ein Modewort im Corporate-Innovation-Umfeld; es ist ein strategischer Hebel für B2B-Startups, um die "Mauer" zu Großkonzernen zu durchbrechen.

In diesem Ratgeber erfährst Du im Detail, was Venture Clienting von klassischen Inkubatoren oder Corporate Venture Capital (CVC) unterscheidet, wie Du Dich optimal darauf vorbereitest und wie Du die typischen Fallstricke bei der Zusammenarbeit mit "Elefanten" vermeidest.

Was ist Venture Clienting genau?

Venture Clienting beschreibt ein Partnerschaftsmodell, bei dem ein etabliertes Unternehmen (der Corporate) Dienstleistungen oder Produkte eines Startups einkauft, um ein spezifisches Business-Problem zu lösen. Anders als beim Corporate Venture Capital (CVC) steht hier nicht das finanzielle Investment (Aktienkauf) am Anfang, sondern die kommerzielle Transaktion.

Das Startup wird also zum Lieferanten ("Vendor"), der Corporate zum Kunden ("Client"). Das klingt simpel, ist aber im Kontext von Großkonzernen revolutionär, da Startups normalerweise an den harten Compliance-, Sicherheits- und Einkaufsrichtlinien großer Player scheitern würden, bevor sie überhaupt ein Angebot abgeben können. Venture Clienting Units fungieren hier als Brückenbauer und Beschleuniger.

Der fundamentale Unterschied zu anderen Modellen

Viele Gründer verwechseln die verschiedenen Corporate-Innovation-Vehikel. Hier ist die Abgrenzung wichtig für Deine Strategie:

  1. Accelerator / Inkubator: Hier geht es oft um Mentoring, Coworking und Networking. Das Ziel ist Ausbildung und Reifung. Oft fehlt der direkte Bezug zu einem konkreten Problem des Konzerns, das sofort gelöst werden muss.
  2. Corporate Venture Capital (CVC): Der Konzern investiert Geld gegen Anteile. Das Ziel ist finanzieller Return oder strategischer Zugriff auf Technologie in der Zukunft. Der Prozess dauert oft Monate (Due Diligence).
  3. Venture Clienting: Der Konzern kauft Dein Produkt (Pilot/Lizenz). Du bekommst Geld gegen Leistung (Rechnung). Das Ziel ist die sofortige Nutzung Deiner Technologie im operativen Geschäft.

Warum Venture Clienting für Dein Startup der bessere Deal sein kann

Für B2B-Startups, besonders in Bereichen wie SaaS, Cybersecurity, AI oder Data Analytics, ist der Referenzkunde im Enterprise-Segment der "Ritterschlag". Venture Clienting bietet Dir hierbei Vorteile, die reines VC-Geld nicht kaufen kann.

Umsatzfinanzierung ohne Verwässerung

Jeder Euro, den Du als Umsatz einnimmst, gehört Dir, ohne dass Du Unternehmensanteile abgeben musst. Das schont Deinen Cap Table und erhöht Deine Bewertung für spätere Runden. Bei Venture-Client-Programmen werden Pilotprojekte (Proof of Concepts, PoCs) in der Regel vollbezahlt. Wayra übernimmt beispielsweise oft die PoC-Kosten zentral, um das Budget-Risiko für die Fachabteilung zu senken.

Validierung durch "echten" Bedarf

Wenn ein Fachbereich eines Telco-Riesen wie o2 Telefónica Deine Lösung testet, dann nicht aus Nächstenliebe, sondern weil dort ein echtes Problem ("Pain Point") existiert. Besteht Dein Produkt diesen Test, hast Du den Beweis für "Product-Market-Fit" im Enterprise-Segment erbracht. Dies ist für zukünftige Investoren ein deutlich stärkeres Signal als reine Downloadzahlen.

Beschleunigter Marktzugang

Der Vertrieb an Großkonzerne dauert im Direktvertrieb oft 12 bis 18 Monate. Venture-Client-Einheiten haben das Ziel, diese Zeit massiv zu verkürzen – oft auf wenige Wochen bis zum Projektstart.

So läuft der Prozess ab: Vom Erstkontakt bis zum Roll-out

Um erfolgreich in ein Venture Clienting Programm aufgenommen zu werden, musst Du die Mechanik dahinter verstehen. Professionelle Einheiten wie Wayra arbeiten nach einem strukturierten Vorgehensmodell.

Schritt 1: Problemdefinition & Scouting

Der "Venture Client" (die Innovationseinheit) spricht intern mit den Fachbereichen (z.B. Netztechnik, HR, Marketing), um Probleme zu identifizieren. Erst dann wird nach Startups gesucht, die genau das lösen können.

Schritt 2: Shortlist & Auswahl

Hier zählt Relevanz vor Vision. Passt Dein MVP (Minimum Viable Product) auf das Problem? Kannst Du Enterprise-Anforderungen (Sicherheit, Datenschutz) zumindest perspektivisch erfüllen?

Schritt 3: PoC-Setup & Fast-Track Procurement

Das ist der kritische Moment. Es werden KPIs (Key Performance Indicators) festgelegt: Wann gilt der Test als erfolgreich? Gleichzeitig hilft Dir der Venture Client durch die Bürokratie. Wayra nutzt hierfür ein "Fast-Track Procurement", um Startups schnell als Lieferanten zu listen, ohne dass sie die gleichen Hürden nehmen müssen wie Großlieferanten.

Schritt 4: Pilotphase (Proof of Concept)

Du installierst Deine Lösung in einer Testumgebung oder einem begrenzten Live-Bereich. Hier geht es um "Zahlen, Daten, Fakten". Funktioniert die Technik? Stimmt der Business Case?

Schritt 5: Entscheidung & Skalierung

Nach dem PoC wird evaluiert. War er erfolgreich, folgt der Übergang in einen kommerziellen Rahmenvertrag. Bei Wayra liegt die Conversion-Rate – also der Anteil der PoCs, die zu Langzeitkunden werden – bei rund 50 %. Dies ist ein extrem hoher Wert im Vergleich zum Marktstandard.

Praxis-Tipp: Welche Startups gesucht werden

Nicht jedes Startup eignet sich für Venture Clienting. Der Fokus liegt klar auf B2B-Lösungen. Typische Felder, die aktuell stark nachgefragt werden, sind:

  • Cybersecurity: Schutz von Netzen und Kundendaten.
  • AI & Automatisierung: Effizienzsteigerung in internen Prozessen.
  • Netzwerk-Technologie: Optimierung von 5G und Glasfaser-Betrieb.
  • Data & Analytics: Bessere Nutzung vorhandener Datenmengen.

Wenn Du ein reines B2C-Produkt hast oder Dich noch in der reinen Ideenphase ohne MVP befindest, bist Du hier oft an der falschen Adresse. Du brauchst ein testbares Produkt.

Wayra Way: Zwei Programme für unterschiedliche Phasen

Um die Theorie greifbar zu machen, schauen wir uns an, wie o2 Telefónica dies über Wayra löst. Dort wird unterschieden, wie reif Dein Startup ist.

Für den Markteintritt: Traction Boost

Dieses Modell richtet sich an Startups (Pre-Seed bis Early Stage), die o2 Telefónica als ersten großen Kunden gewinnen wollen.

  • Was passiert: Wayra kuratiert den Use-Case, übernimmt die Kosten für den PoC und öffnet das "Telefonbuch" zu über 8.000 Mitarbeitenden, um den richtigen Ansprechpartner zu finden.
  • Ziel: Ein belastbarer Erfolgsnachweis (Case Study).


Mehr zum Traction Boost Programm

Für die Skalierung: Sales Boost

Das ist für Startups (Mid-Stage bis Scale-up), die bereits ein fertiges Produkt haben und Volumen brauchen.

  • Was passiert: Hier geht es nicht mehr nur ums Testen, sondern um die Integration in die Vertriebskanäle von o2 oder den breiten Einsatz im Konzern.
  • Ziel: Kommerzialisierung und Umsatzwachstum. Wayra meldete allein im Jahr 2024 über 26 kommerzielle Verträge.


Mehr zum Sales Boost Programm

Häufige Fehler vermeiden: Die "Pilot Purgatory" Falle

Ein Begriff, der in der Venture-Clienting-Welt oft fällt, ist "Pilot Purgatory" (Pilot-Fegefeuer). Das bedeutet: Du machst einen Piloten nach dem anderen, verdienst vielleicht sogar etwas Geld dabei, aber es kommt nie zum großen Roll-out. Das bindet Ressourcen und verhindert Skalierung.

So vermeidest Du das Fegefeuer:

  1. KPIs vorab definieren: Unterschreibe keinen PoC-Vertrag, in dem nicht steht: "Wenn wir KPI X und Y erreichen, ist der nächste Schritt Z." Bestehe auf einer Definition von Erfolg.
  2. Budget-Check: Frage vor dem Start, ob die Fachabteilung überhaupt Budget für den Roll-out nach dem Piloten hat. Innovationstöpfe zahlen oft den PoC, aber das operative Budget muss für den Dauerbetrieb da sein.
  3. Stakeholder-Management: Verlasse Dich nicht nur auf den Innovationsmanager. Du musst den Fachbereichsleiter (den eigentlichen Käufer) überzeugen.

Schritt-für-Schritt: Deine Vorbereitung auf den Corporate-Pitch

Wenn Du Dich bei einem Venture Client bewerben willst, bereite diese Punkte vor. Es geht hier weniger um Deine Vision in 10 Jahren, sondern um Deine Anwendbarkeit heute.

  1. Use-Case-Fokus: Präsentiere nicht 50 Features. Präsentiere eine Lösung für ein Problem, das der Konzern hat (z.B. "Wir reduzieren die Bearbeitungszeit im Kundenservice um 20%").
  2. Enterprise Readiness Check: Hast Du Deine Datenschutz-Dokumente im Griff? Wo liegen die Server? (EU/Deutschland ist oft Pflicht). Hast Du Cyber-Security-Basics?
  3. Ressourcenplanung: Ein Pilot bei einem DAX-Konzern ist arbeitsintensiv. Hast Du jemanden im Team, der die Integration technisch begleiten kann, ohne dass Deine Produktentwicklung stillsteht?
  4. Zahlen: Kenne Deine Unit Economics. Was kostet den Konzern die Nutzung pro User/Monat nach dem PoC? Transparenz schafft Vertrauen.

Exkurs: Das Wayra-Spezial "Investment Plus"

Obwohl der Fokus auf Umsatz liegt ("Umsatz ist besser als Kapital"), agiert Wayra auch als Stratege. Wenn die Synergien extrem hoch sind (ca. 75 % Fokus auf Synergie), gibt es die Option auf Investment-Tickets zwischen 150.000 € und 5 Mio. €. Das ist oft die logische Konsequenz aus einem erfolgreichen Venture-Client-Projekt: Erst wird zusammengearbeitet, dann wird die Partnerschaft durch Kapital gefestigt.

Profi-Tipps für den Verhandlungstisch

  • Verkaufe keine Anpassungs-Dienstleistung: Du bist ein Produkt-Unternehmen, keine Agentur. Wenn der Konzern zu viele Anpassungen will, die nicht auf Deine Roadmap passen, lehne ab oder lasse sie Dir extrem gut bezahlen (Non-Recurring Engineering Costs).
  • Rechte am IP: Stelle sicher, dass alles, was Du im Rahmen des PoCs weiterentwickelst, Dein geistiges Eigentum bleibt. Exklusivität sollte vermieden oder zeitlich/räumlich stark begrenzt werden.
  • Nutze den Mittelsmann: Sieh den Venture Client (z.B. das Team von Wayra) als Deinen Übersetzer. Sie kennen die interne Politik und wissen, wie man Beschaffungsanträge formuliert, damit sie genehmigt werden.

Personalisierter Tipp für Deine Zusammenarbeit mit Wayra

Die größte Hürde im Enterprise-Vertrieb ist oft der Einkauf (Procurement). Ein Standard-Onboarding kann Monate dauern. Nutze aktiv das "Fast-Track Procurement" von Wayra. Sprich dies im ersten Gespräch an. Wayra hat etablierte Prozesse, um Startups an der Konzernbürokratie "vorbeizuschleusen" und Compliance-Prüfungen pragmatisch zu gestalten. Das spart Dir wertvollen Runway.

Nimm hier Kontakt auf, um Deinen Case zu prüfen

Wie misst man den Erfolg eines PoC?

Damit Du nicht im Unklaren bleibst, orientiere Dich an diesem KPI-Gerüst, das auch professionelle Hubs nutzen:

  • Technisch: Ist die Lösung stabil? Wie hoch ist der Integrationsaufwand in die Legacy-IT? Werden Security-Standards eingehalten?
  • Wirtschaftlich: Welchen monetären Wert liefert die Lösung? (Einsparung oder Zusatzumsatz). Wie schnell amortisiert sich der Einsatz (Payback-Period)?
  • Adoption: Wie nutzen die Mitarbeiter das Tool? Wie hoch ist der NPS (Net Promoter Score) bei den Anwendern?

Erfolgsgeschichten: Wenn aus Tests Verträge werden

Theorie ist gut, Beweise sind besser. Venture Clienting funktioniert branchenübergreifend.
Ein Beispiel ist die Zusammenarbeit mit Whalebone. Hier wurde eine Lösung für den netzbasierten Endkundenschutz ("o2 Onlineschutz") entwickelt und skaliert. Das zeigt: Es geht nicht nur um interne Tools, sondern auch um B2B2C-Produkte, die an Millionen Kunden verkauft werden.

Zur Whalebone Success Story

Auch im Bereich Prozessoptimierung gibt es starke Cases, wie mit Galactify (Visualisierung von OKRs und Strategien) oder Mindverse (KI-Content-Erstellung), die zeigen, wie tief Startups in die operativen Abläufe integriert werden können.

Zur Galactify Success Story | Zur Mindverse Success Story

Fazit: Umsatz ist die beste Finanzierung

Venture Clienting ist für B2B-Startups der schnellste Weg, um die "Enterprise-Mauer" zu überwinden. Es erfordert Professionalität, Geduld und ein funktionierendes Produkt. Aber der Lohn ist hoch: Du erhältst Umsatz, Marktvalidierung und Referenzen, die Dir die Türen zu weiteren Kunden und Investoren öffnen – und das alles, ohne Anteile abzugeben. Wenn Du bereit bist, den Schritt in die Konzernwelt zu wagen, ist jetzt der richtige Zeitpunkt, Deine Fühler nach Programmen wie denen von Wayra auszustrecken.

Startups: Hier geht es zur Übersicht der Services

FAQ: Häufige Fragen zum Venture Clienting

Ist Venture Clienting nur für Startups in der Spätphase?
Nein. Programme wie der Traction Boost von Wayra richten sich explizit auch an Early-Stage-Startups, sofern ein testbares Produkt (MVP) existiert. Entscheidend ist die Problemlösungskompetenz, nicht nur der Umsatz.

Muss ich Exklusivität gewähren?
In der Regel nein. Das Ziel von Venture Clienting ist eine Partnerschaft auf Augenhöhe. Exklusivität würde Dein Wachstum hemmen, was auch nicht im Interesse des Kunden ist (da Du als Lieferant stabil bleiben sollst). Ausnahmen können bei sehr tiefen strategischen Partnerschaften verhandelt werden.

Wie lange dauert ein typischer PoC?
Ein Proof of Concept sollte so kurz wie möglich sein, um Ergebnisse zu liefern, meist zwischen 3 und 6 Monaten. Die Anbahnung über Fast-Track-Verfahren kann oft in wenigen Wochen erfolgen.

Behalte ich mein IP (Intellectual Property)?
Ja. Seriöse Venture-Client-Verträge sichern dem Startup die Rechte an der eigenen Technologie zu. Pass auf bei Klauseln, die "Work for Hire" suggerieren – hier hilft der Venture Client oft als Mediator zum Konzerneinkauf.

Was ist der Unterschied zum Accelerator?
Ein Accelerator ist wie eine Schule (Lernen, Mentoring, Vorbereitung). Venture Clienting ist wie ein Job (Arbeiten, Liefern, Bezahlt werden). Accelerator-Programme enden oft mit einem Demo Day, Venture Clienting idealerweise mit einem Rahmenvertrag.

Franziska Kraft
Franziska Kraft
Visit Linkedin
Published
December 19, 2025
Spread the word
facebook logoinstagram logolinkedin logo
Jetzt kontaktieren